Alfred Friedrich - Flugpionier und Besitzer des Flugzeugreparaturwerkes in Strausberg (1/4) Vielfach wurde von uns in den vorangegangenen Folgen der Name Alfred Friedrich erwähnt, ein Mann, der über zehn Jahre Bürger unserer Stadt war. Viele ältere Strausberger kennen ihn vor allem aus dieser Zeit, als er ab 1934 in der Hegermühlenstraße dort vorhandene Gebäude zum Flugzeugreparaturwerk ausbaute und an der Prötzeler Chaussee den Werksflugplatz betrieb. Wir mußten aber auch feststellen, daß viel Widersprüchliches überliefert ist. Einseitige Betrachtungsweisen, Klischees und Halbwahrheiten erschwerten unsere Nachforschungen. Wir haben versucht, dem Thema „Strausberger Luftfahrtgeschichte" folgend, uns mit der Biographie des Mannes zu befassen, der den Flugzeugbau nach Strausberg brachte und zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt beigetragen hat, und wir werden auch darstellen, wie der Betrieb noch in den letzten Monaten des Krieges in die Rüstung einbezogen wurde. Mit dem Beginn der Strausberger Tätigkeit ab 1934 hatte der damals 43jährige Alfred Friedrich bereits einen Namen in der deutschen und internationalen Luftfahrtgeschichte. Es war jener Pilot, der im Jahre 1913 zum ersten Mal mit einem Flugzeug, einer sogenannten Etrich-Taube, und einem Fluggast an Bord von Berlin aus nach Paris flog, von dort den Kanal überquerte und London erreichte, um dann von hier aus an die Spree zurückzukehren. Dieser Flug ging als „Welterstflug des Luftverkehrs" in die Geschichte ein, da er mit der ersten amtlichen Zulassung als Deutsch-Französischer Luftverkehr ausgeführt worden ist. Mit dieser Pionierleistung steht der Berliner und spätere Strausberger Bürger Alfred Friedrich in der ersten Reihe der Weltfliegerei. Doch beginnen wir vom Anfang an. Das Licht der Welt hat Alfred Friedrich am 18. März 1891 in Berlin-Schöneberg erblickt. Nach Beendigung seiner Gymnasialzeit ging er mit dem Reifezeugnis in der Tasche zum Maschinenbau. In den Jahren 1907/08 durchlief er bei der Firma Borsig in Tegel die praktische Lehrzeit. Danach zog es ihn, inspiriert von den Demonstrationsflügen des Amerikaners Orville Wright in Berlin 1909 unwiderstehlich zur damals jungen Aviatik. Alfred Friedrich war jener 18jährige, der die Absperrung durchbrach und dem Vorstand der „Motor-Luftschiff-Studiengesellschaft", bei der Orville Wright unter Vertrag stand, erklärte: „Ich möchte Flieger werden". Bereits vier Jahre später sprach man in der ganzen Welt von diesem jungen Mann. Sein damals gehegter Wunsch war bald in Erfüllung gegangen. Nach Wrights Flügen entstand als Schwesterunternehmen der genannten Studiengesellschaft die „Flugmaschine Wright GmbH", die auf dem Flugplatz Berlin-Johannisthal einen Flugschulbetrieb eröffnete. Alfred Friedrich wird in dieser Gesellschaft, einer der ersten Flugzeugbaubetriebe in Deutschland überhaupt, als technischer Volontär eingestellt, dabei gleichzeitig an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg Ingenieurwissenschaften studierend, um dann als Betriebsassistent beschäftigt zu werden. Nebenbei erlernte er auf dem Wright-Zweidecker das Fliegen. Am 13. Dezember 1911 legte Alfred Friedrich als 20jähriger seine Pilotenprüfung ab, die ihm kurz darauf mit dem Flugzeugführerschein Nr. 149 des „Deutschen Luftfahrerverbandes" bestätigt wurde. Mit diesem Luftfahrerpatent gehörte er zwar zu den „Jungen" unter den Fliegern jener Pionierjahre vor dem ersten Weltkrieg, aber schon ein Jahr später gehörte er zu jenen, die das Tempo der Eroberung der Luft mitbestimmten. Im Januar 1912 ging der junge Ingenieur Alfred Friedrich als Pilot und Fluglehrer zur „Allgemeinen Flug-Gesellschaft (AFG)" in Johannisthal. In dieser Zeit beteiligte er sich an zahlreichen Wettbewerben und lenkte die Aufmerksamkeit durch zahlreiche Bestleistungen auf sich. Besonders erfolgreich war er auf der Etrich-Taube, ein von den österreichischen Flugpionieren Ignaz Etrich (Vater und Sohn) gebauten Motorflugzeug, das ab 1910 von E. Rumpler unter der Bezeichnung Etrich-Rumpler-Taube in Berlin gebaut wurde. Am 5. Dezember 1912 stellte er mit einer solchen Taube über Johannisthal im Alleinflug einen deutschen Dauerflugrekord von fünf Stunden und zehn Minuten auf, den er am 14. März weiter verbesserte. Am 1. Juni 1913 wurde er Chefpilot der „Sportflieger GmbH" in Johannisthal. In diese Zeit fallen weitere Flugrekorde, so u.a. der erste Überland-Fern-Flug mit Passagier über 713 Kilometer von Berlin-Tilsit-Königsberg am 9. August 1913 und der Sieg beim Ostpreußen-Rundflug vom 9. bis 14. August 1913. Es war Alfred Friedrich, der am 24. August 1913 den ersten Gebirgsflug unternahm und mit einem Passagier die 1603 m hohe Schneekoppe überflog. Das stellte in der damaligen Zeit eine ausgesprochene Sensation dar. Wie bereits erwähnt, schlug Alfred Friedrich mit seinem Flug Berlin-Paris-London und zurück die erste Seite der Verkehrsfliegerei auf. Nachdem französische Flieger den Flug Paris - Berlin mit kleinen schnellen Sportmaschinen mehrfach ausgeführt hatten, entschloß sich der junge Friedrich, diesen Besuch der Franzosen zu erwidern. Er startete am 5. September 1913 mit einer Etrich-Taube , deren Propeller von einem 100 PS Sechszylinder-Mercedes Motor angetrieben wurde, in Begleitung des damals als Ballonfahrer weithin bekannten Meteorologen Dr. Hermann Elias vom Flugplatz Johannisthal nach Paris. Sie benötigten für diese 820 Kilometer eine reine Flugzeit von 12 Stunden. Friedrich machte Zwischenlandungen in Hannover, Gelsenkirchen und Brüssel, um Treibstoff aufzunehmen. Zur Orientierung war der Kompaß das einzige Instrument an Bord, und Dr. Elias verfügte lediglich über eine Eisenbahnkarte 1:100000! Friedrich hatte die belgisch-französische Grenze schon fast erreicht, da zwang ihn die Witterung in der Nähe des kleinen belgischen Dörfchens Sars-la-Bruyere niederzugehen. Einen Tag und zwei Nächte mußten die beiden Deutschen hier ausharren, bevor das Wetter es zuließ, die Taube wieder zu besteigen und den Flug fortzusetzen. Nur mühsam kamen sie voran. Nur im Tiefflug war eine Orientierung einigermaßen möglich, Viermal mußten sie landen, um die Richtung zu erfragen. Dann war endlich das Ziel erreicht. Paris empfing sie begeistert. Als erster Deutscher umkreiste Friedrich den Eifelturm, führte Sturz- und Kurvenflüge vor, und flog dann, nunmehr begleitet vom Konstrukteur der Taube, Dr. Ignaz Etrich (genannt Igo) über den Kanal nach London. Am 20. September 1913 landete Friedrich mit Begleiter - nach Rückflug über Frankreich, Belgien und Holland - wieder in Berlin, wo ihnen ein stürmischer Empfang bereitet wurde. Foto 1: Alfred Friedrich, der als 22jähriger als erster Deutscher die Strecke Berlin-Paris-London und zurück mit dem Motorflugzeug vom Typ Etrich-Taube bewältigte. Foto 2: Diese Etrich-Taube wurde von Alfred Friedrich 1935 in Strausberg nachgebaut. Er flog sie bis 1937 und führte sie in vielen Städten Deutschlands vor, so u.a. 1936 auf dem Olympia-Flugtag in Berlin
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