Folge 15

Die Entstehung des Flugplatzes Strausberg 1936-1939

Im Rahmen des Aufbaus der Deutschen Luftwaffe, der im Jahre 1935 öffentlich bekanntgegeben wurde, interessierte sich das damalige Reichsluftfahrtministerium (RLM) auch für ein Gelände im Nordosten der Stadt Strausberg, an der Prötzeler Chaussee. Als das Ministerium damit begann, die vorgesehenen Flächen aufzukaufen, ließen sich die Pläne zum Bau eines Luftwaffen-Fliegerhorstes nicht mehr länger verbergen, obwohl noch immer alles unter strengster Geheimhaltung lief. Die Errichtung eines Militärflugplatzes in Strausberg befand sich bereits 1934 in der fortgeschrittenen Planung. Das Reichsluftfahrtministerium hatte in seinen Planungsunterlagen der Jahre 1934/35 für den Luftkreis II (Berlin) insgesamt 18 Luftwaffenstandorte vorgesehen. Da diese aus Tarnungsgründen allgemein als „Flieger-Übungs- und Ausbildungsstellen des Deutschen Luftsportverbandes (DLV)" deklariert wurden, begannen auch in Strausberg die Arbeiten unter der Bezeichnung „Fliegerübungsstelle des DLV Strausberg". Der eigentliche Flugplatzbau begann in der zweiten Hälfte des Jahres 1936 durch:

1. Einrichtung der „Bauleitung der Luftwaffe Strausberg" im Gebäude Wilhelmstraße 104 (heute August-Bebel-Straße 44)

2. Planierung des Flugfeldes und Beschichtung mit Muttererde.

3. Schaffung von Baufreiheit, Vermessungs- und Erdarbeiten für die Fliegerhorst-Kaserne.

4. Errichtung von Bauarbeiter-Unterkunftsbaracken (Prötzeler und Hohensteiner Chaussee).

Diese umfangreichen Arbeiten leisteten vorwiegend Arbeitskräfte aus Strausberg und der näheren Umgebung sowie Baufirmen von außerhalb. Im Jahr 1937 kommandierte das Reichsluftfahrtministerium seinen Vertreter in die Bauleitung der Luftwaffe Strausberg. Es war Herbert Mücke, Jahrgang 1912, Stabs intendant und Leiter der Arbeitsgruppe Verwaltung/Fliegerhorstkommandantur Strausberg von 1937-1940 und Oberstleutnant der Bundeswehr a.D., der heute Bürger der Stadt Strausberg ist. Ihm verdanken wir nachfolgenden Bericht über den Aufbau des Strausberger Flugplatzes:

Vom Rapsfeld zum Fliegerhorst

„Im Mai 1937 wurde ich als Regierungsinspektor (vergleichbarer Dienstgrad Oberleutnant) und Leiter des Vorkommandos der Luftwaffe Strausberg in Marsch gesetzt, um die erforderlichen Vorbereitungen für den Aufbau meiner ,Arbeitsgruppe Verwaltung` zu treffen. Als ich hier eintraf, deuteten erste Baugruben, einzelne Grundmauern von Häuserblöcken und Hallen, graue Bauarbeiter-Holzbaracken sowie ein sehr breites und langes, frischangelegtes gelb blühendes Feld - ein Rapsfeld, das als Fluggelände vorgesehen war - darauf hin, daß hier nordostwärts der Stadt ein Fliegerhorst im Entstehen war. Alles weitere stand noch auf dem Zeichenbrett. Bereits ein Jahr zuvor hatte man mit den Planierungsarbeiten begonnen und Tag und Nacht unter Anspannung aller Kräfte gearbeitet. Wie Strausberg, so stampfte man auch in vielen anderen Orten rings um Berlin - zum Beispiel seien die ostwärts gelegenen Fliegerhorste Finow, Werneuchen. Fürstenwalde und deren Arbeitsplätze Eggersdorf, Neuhardenberg genannt - in jener Zeit Flugplätze ,zum Jagdschutz der Reichshauptstadt`, wie es hieß, gleichsam aus dem Boden. Alle, die damit zu tun hatten, wurden dahingehend vergattert, über das Gesehene strengstes Stillschweigen zu bewahren. Geheimhaltung war alles! SS-Wachmannschaften in ihren schwarzen Uniformen versahen sowohl die Bewachung der Baustelle als auch den Pförtnerdienst in dem Gebäude der Luftwaffen-Bauleitung. Diese Bauleitung der Luftwaffe war eine rein zivile Ein richtung unter dem Bauleiter Klix, später ab 1940 Dipl.-Architekt Röß. Ich war die erste und einzige Person in Luftwaffenuniform. Die Bauleitung hatte die Aufgabe, entsprechend einer Ausschreibung des RLM und den Raum-Bedarfs-Dienstvorschriften der Luftwaffe, die Bauwerke für den Horst zu konstruieren - wobei die Flugzeughallen Typenbauten waren - sowie den Bauablauf zu organisieren und zu überwachen. Mir oblag die Pflicht, eng mit der Bauleitung zusammenzuarbeiten, fertiggestellte Gebäude und Anlagen zu übernehmen, Zivilbeschäftigte einzustellen und die Mannschafts- bzw. Wirtschaftsgebäude (Küche, Krankenrevier Verpflegungs-, B/A-Lager usw.) oder Anlagen (Heizhaus, Feuerwehr, Trafos, Wasserwerk, Kläranlagen, Tanklager usw.) sowie Geschäftszimmer mit Mobiliar und Gerät entsprechend dem Unterkunfts - Ausstattungsnachweis auszurüsten. Desweiteren hatte meine Arbeitsgruppe Verwaltung die Aufgabe, den Landkauf abzuschließen. An ein `kostenloses Hergeben' des Geländes für den Flugplatz durch die Stadt oder Privatbesitzer an die Luftwaffe - wie heute oftmals pauschal zum Ausdruck gebracht wurde - kann ich mich nicht erinnern. Die Stadt und auch die Landwirte haben gut und gern verkauft! Meine Kasse hat in den Jahren 1937/38 und danach das Geld an die betroffenen Landwirte überwiesen. Interessant ist, wie wir damals, bevor die Unterflurtanks installiert wurden, die Versorgung mit Betriebsstoffen gelöst hatten. Straßentankzüge, wie wir sie heute als Sattelschlepper kennen, gab es nicht. Deshalb wurden die im Eisenbahntransport ankommenden Treibstoff-Kesselwaggons auf sogenannte Kuhlemeyer-Anhänger (Tieflader) verladen und vom Lustgarten zum Flugplatz gefahren. Alles zusammen stellte für die damalige Zeit ein gewaltiges Gefährt dar. In dem Maße, wie der Fliegerhorst seiner Vollendung entgegenging, nahm auch der Umfang meiner Verwaltung zu. Aus einem anfänglichen Zwei-Mann-Gespann (1 Verwaltungsbeamter und 1 Angestellter der damaligen Heeresverwaltung, der nach Strausberg versetzt worden war) wurde die `Gruppe Verwaltung der Fliegerhorstkommandantur' mit Personal-, Verpflegungs- und Lohnstelle sowie Buchhaltung und diversen Lagern. Im Spätsommer 1939 zog diese Gruppe aus einer Baracke am Rollfeld in das neue Kommandanturgebäude ein. Die Lager wurden auf den geräumigen Dachböden der Kaserne untergebracht. Nach dreijähriger Bauzeit ging der Strausberger Fliegerhorst im Frühjahr 1940 seiner Vollendung entgegen, darunter die Anlagen des noch heute bestehenden Flugplatzes und seinerzeit fünf Flugzeughallen."

Die Endphase des Flugplatzbaus in Strausberg vollzog sich bereits unter den Bedingungen des Krieges. Sie soll Gegenstand der nächsten Folge sein.

 

Bild 1: Karte aus dem Jahre 1940 über die Anlagen des Strausberger Fliegerhorstes. (Sammlung H. Bukowski)

Erläuterungen:

1 Halle 1 (Werft) 10 Unterkunft 19 Graspiste
2 Halle 2 11 Hauptwache 20 Offiziers-Kasino
3 Halle 3 12 Bauarbeiter-Barackenlager mit Feuerlöschteich 21 Werkflugplatz Flugzeugreparaturwerk Alfred Friedrich Strausberg
4 Halle 4 13 Garagen Kfz-Kompanie 22 Schießstand Bordwaffen/Handfeuerwaffen
5 Halle 5 14 Feuerwache 23 Werftarbeiter-Barackenlager
6 Hauptgebäude mit Luftnachrichtenstelle und Unterkünfte 15 Wasserwerk 24 Justierstand Bordwaffen
7 Mannschaftsunterkünfte 16 Heizwerk/Hauptlager 25 Wanderarbeitsheim (von 1939 bis 1945 Unterkunft für Luftwaffe)
8 Unteroffiziersund Mannschafts Kantine/Küche 17 Kompensier-Drehscheibe  
9 Fliegerhorstkommandantur-Gebäude 18 Befehlsgebäude mit Bunker für Flugleitung, Funktstelle und Wetterstelle  

 

Bild 2: Blick auf die Flugzeughallen 2, 3 und 4 an der Nordwestseite des Strausberger Flugplatzes 1940. (Foto Schulz)

 

Bild 3: Oberinspektor Herbert Mücke aus Strausberg im Jahre 1940. (Sammlung H. Mücke)