Kriegsbeginn im Fliegerhorst Strausberg Am 7. Januar 1939 war eine Weisung des damaligen Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe ergangen, zum 1. Oktober 1939 in Strausberg die geplante Fliegerhorstkommandantur einzurichten - gleichzeitig mit 21 weiteren an anderen Standorten. Dieser Termin wurde jedoch vom Beginn des Krieges überholt, was zur Folge hatte, daß die Aufstellung dieser Kommandantur und die Fertigstellung der vorgesehenen Bauwerke beschleunigt wurde. Wie aus Aufzeichnungen der Arbeitsgruppe Verwaltung/Fliegerhorstkommandantur Strausberg, die bereits im August 1939 ihre Arbeitsbereitschaft hergestellt hatte, hervorgeht, erlebte der noch nicht voll funktionsfähige Flugplatz Strausberg den Kriegsausbruch wie folgt: Am 24. August 1939 traf ein Fernschreiben ein, das den Befehl enthielt, Beurlaubungen bis auf weiteres einzustellen und sofort alle Urlauber im Inland ohne Angabe von Gründen zurückzurufen. Am darauffolgenden Tag, dem 25. August, wurde die Luftnachrichtenstelle des Fliegerhorstes von Fernschreiben der Katego rie „Geheime Kommandosache" geradezu überflutet. Aus der Fülle seien nur folgende Inhalte genannt: Der Fliegerhorst dürfe nur aus dienstlichen Gründen verlassen werden; Außenschläfer sowie verheiratete Unteroffiziere mußten über den Umgang mit Zivilisten belehrt werden; Jeglicher Flugbetrieb einschließlich der NSFK-Segelflugausbildung sei ab sofort einzustellen. Im Verlaufe des 25. August 1939 fiel, ohne Ankündigung aus Döberitz kommend, die I. Gruppe des Jagdgeschwaders 20 (I./JG 20). Gleichzeitig traf die Stabskompanie dieser Gruppe ein. Die I./JG 20 unter dem Kommando von Oberstleutnant Lehmann bestand aus zwei Staffeln Messerschmitt Me 109. Die erste Staffel hatte 12 und die zweite 9 Flugzeuge im Bestand. Aus einem Fernschreiben, das am Abend eintraf, wurde der 26. August 1939 als erster Mobilmachungstag für die gesamte Luftwaffe festgelegt. Während die Strausberger Bevölkerung noch ihrer friedlichen Arbeit nachging, wurde auf dem Fliegerhorst der Mobilma chungskalender dem Panzerschrank entnommen und die darin festgelegten Handlungen ausgelöst. In den Tagen vom 27. bis 31. August 1939 trafen ununterbrochen Reservisten, Freiwillige und Einberufene auf dem Fliegerhorst ein. Sie wurden durch die Arbeitsgruppe Verwaltung eingekleidet, ausgerüstet, mit Soldbuch und Erkennungsmarken versehen, zu Kompanien formiert und in den Ausbildungsbetrieb eingereiht. Die Bestände an Verpflegungsgütern und Betriebsstoffen wurden entsprechend den festgelegten Normativen aufgefüllt, Kraft- und Spezialfahrzeuge, Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke durch die Gruppe Verwaltung aufgekauft bzw. eingefordert. Am siebenten Mobilmachungstag, am 1.September 1939, startete die I./JG 20 und wurde im nebligen Morgengrauen ebenso heimlich, wie sie eine Woche zuvor in Strausberg eingefallen war, nach Sprottau (heute Polen) verlegt. Um 4.45 Uhr begann der Überfall auf Polen. Doch bereits einen Tag später traf eine Einsatz-Jagdgruppe aus Werneuchen mit zwei Staffeln in Strausberg ein. Sie war am Tag des Kriegsausbruchs durch die Jagdfliegerschule Werneuchen mobilgemacht worden mit der Aufgabe, als Jagdschutz der Reichshauptstadt eingesetzt zu werden. Sie setzte sich mit Jagdlehrern bzw. -schü lern zusammen, die ihre Schulmaschinen vom Typ Me 109 D flogen. Am 16. September erfolgte die Rückverlegung der zwei Einsatzstaffeln nach Werneuchen. Die Stabskompanie wurde Flugplatzeinheit. Parallel hierzu wurde der Endausbau des Fliegerhorstes vorangetrieben. Dazu erfolgte im Rahmen der Mobilmachung in Döberitz die Aufstellung einer Luftwaffen-Baukompanie, die am 30. August in Stärke eines Oberfeldmeisters, eines Amtswalters, von 48 Reichsarbeitsdienst-Angehörigen und 103 Ersatzreservisten zum Arbeitseinsatz auf den Fliegerhorst Strausberg abkommandiert. Gleichzeitig wurde hier mit Wirkung vom 12. September 1939 eine Behelfskommandantur gebildet, die wiederum dem Flughafenbereich Döberitz - hierzu zählten neben Strausberg auch Staaken, Gatow, Werder, Werneuchen, Schönwalde und Adlershof - unterstand. Durch Einzelentlassungen von Freiwilligen, die zur Wehrmacht gingen, sank die Stärke der Luftwaffen-Baukompanie bis Ende September zeitweilig auf 146 Mann. Sie wurde jedoch ab Anfang Oktober durch 700 Rekruten verstärkt, die vorwiegend vom Flakregiment 51 aus Stettin kamen. Zur Beschleunigung des Kasernen- und Flugplatzbaus kamen außerdem zwei Luftwaffen-Baugerätezüge zum Einsatz. Nach unseren Recherchen belief sich die Personalstärke am 11. Oktober 1939 auf 1034 Mann (Fliegerhorst kommandantur, Luftwaffen-Baukompanie und zwei Luftwaffen-Baugerätezüge). Flugzeuge gab es zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Gelände des Horstes. Offensichtlich gab es allerdings Probleme bei der Unterbringung. So ist bekannt, daß ab 3. Oktober die Turnhalle der Oberrealschule, das Alte Schützenhaus, ab 7. Oktober die Turnhalle der Volksschule in der Hegermühlenstraße, ab 8. Oktober die Turnhalle des Landes-Jugendheimes, ab 7. Oktober die Gastwirtschaft in Klosterdorf und ab 14. Oktober die Gasstätte Weil als Unterkünfte genutzt wurden. Ab 21. November konnten durch die Belegung des Burschen-Fürsorge-Heimes mit 400 Mann die meisten anderen Quartiere wieder geräumt werden. Neben Flaksoldaten trafen ab 7. Oktober 1939 Kräfte von der I. Abteilung des Luftnachrichtenregimentes Bernau ein, um die Luftnachrichten-Kompanie des Strausberger Fliegerhorstes zu formieren. Über den baulichen Zustand des Flugplatzes und seine Betriebsbereitschaft gibt eine Tagesmeldung des Fliegerhorstkommandanten Hauptmann von Roedern am 11. Oktober Auskunft. Es heißt darin: „Flugplatz ist anfliegbar bis einschließlich C-Maschinen. (Gemeint sind Flugzeuge über 5.000kg - Die Autoren). Keine Tank- und Unterstellmög lichkeiten." Insgesamt war Ende Oktober 1939 der Strausberger Flugplatz einsatzbereit, indem die Treibstoff-Versorgung mittels Transport von Kesselwagen durch Kuhlemeyer-Tieflader bzw. Unterflur-Zapfstellen sichergestellt wurde. Demzufolge stand der vom Reichsluftfahrtministerium für den 1. November festgelegten offiziellen Flugplatz-Weihe nichts mehr im Wege. Einen „Feierlichen Einzug der Flieger mit klingendem Spiel in die Garnisonsstadt", in der Art, wie es die Strausberger als Gäste im Jahre 1937 bei der Einweihung des Fliegerhorstes in der Nachbarstadt Werneuchen erlebt hatten, gab es nicht. Im Gegenteil, man versuchte sogar, die Einweihungs-Zeremonie zu verschleiern, um aus Geheimhaltungsgründen den Bereitschaftsstand des Fliegerhorstes Strausberg nicht preiszugeben. Die „Strausberger Zeitung" vom 2. November 1939 berichtete deshalb auch nur von einer Rekrutenvereidigung auf dem Fliegerhorst. Bild 1: Eine Messerschmitt Me 109 E des Jagdgeschwaders 20, dessen I. Gruppe bei Kriegsbeginn für eine Woche in Strausberg stationiert war. (Sammlung H. Bukowski) Bild 2: Major Dr. Gambke, von 1939 bis 1942 Kommandant der Fliegerhorstkommandantur Strausberg. (Sammlung Mertins)  Bild 3: Für die zivilen Mitarbeiter der Werft (Halle 1) des Fliegerhorstes hatte man ein sogenanntes Lager der Deutschen Arbeitsfront errichten lassen. Es diente noch von 1958 an der Verbindungsfliegerstaffel der NVA als Unterkunft. Heute befindet sich an dieser Stelle das Finanzamt Strausberg. (Sammlung H. Bukowski)
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