Strausberger "Schau- und Werbeflugtage" - Vorläufer der heutigen Flugplatzfeste (2/2)
Ein weiterer Meilenstein Strausberger Luftfahrtgeschichte, insbesondere der Flugfeste, war der Sturmvogel-Flugtag, der im Rahmen der 700-Jahrfeier der Stadt im September 1932 sattfand. Der Flugverband der Werktätigen e.V. "Sturmvogel", der zur damaligen Zeit in ganz Deutschland etwa 21.000 Mitglieder umfaßte und von der Sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften gefördert wurde, nahm in Strausberg die Gelegenheit wahr, seine Grundposition zur Luftfahrtentwicklung deutlich zu machen. Sie bestand kurz gesagt darin, daß das Flugzeug im Dienst des friedlichen Luftverkehrs ein Instrument der Völkerverbindung und nicht der "Wehrhaftigkeit in der Luft sein sollte. So war es verständlich, daß die Sturmvogel-Organisatoren für den Flugtag in Strausberg Wert darauf legten, neben dem offiziellen Schau- und Werbeflugprogramm vielen Strausbergern die Möglichkeit zu geben, zwei Tage lang - zu erschwinglichen Preisen - durch Rundflüge die Stadt mit ihrer schönen Umgebung aus der Luft zu erleben. Verfolgt man die Berichte der Strausberger Zeitung jener Tage, so war auch dieses Flugfest ein voller Erfolg. Ausführlich wird über den Verlauf des Sturmvogel-Flugtages berichtet. "Gute Organisation"- "Weit über 1200 Zuschauer" - Glänzender Verlauf" waren nur einige der positiven Schlagzeilen in der Zeitung vom 12. September 1932. Aufmerksamkeit verdient vor allem ein ausführlicher Bericht eines Vertreters der Strausberger Zeitung, der in einem sehr überschwenglichen und noch heute beeindruckendem Stil den Flug um Strausberg, Wriezen, Buckow und Rüdersdorf beschreibt. Der Beitrag, der mit "Frei durch die Lüfte..." überschrieben ist, beinhaltet solche Passagen wie "Dort steht, trotzig ausschauend, die Marienkirche, die Menschen klein wie Puppen, winken uns aus der Großen Straße zu und wir winken und winken wieder. Rund um den Straussee geht es. Wie klein und winzig steht Strausberg da, wie prächtig die Häuser eingebettet liegen im Grün des großen Teppichs auf dem die Straßen und Wege, die Siedlung im Vorraum, die Bäume und Büsche, die Hecken und Häuser ein farbenprächtiges Muster weben... Nochmals ein Blick zurück und im großen Bogen geht es auf den 'Strausberger Flugplatz' zu. Jetzt kommt die Landung! Das berühmte Fahrstuhlgefühl..? Nichts von alledem! Im Abwärtsgleiten beginnen die Dinge auf der Erde zu rasen, immer näher schiebt sich der Landeplatz - und ebenso unmerklich wie beim Start, so sanft und sacht setzen wir auf! Mutter Erde, wir sind wieder dein! Wir steigen aus, und nun können wir uns erst unterhalten, über das, was wir sahen. Viele Worte wurden nicht gemacht, die Eindrücke hafteten noch zu tief, nur wie aus einem Munde kam es: 'Das war einerhebendes unvergeßliches Erlebnis!' Wie im Traum ist's immer wieder. Bezwinger der Lüfte, Mensch und Maschine sind eins geworden, erstanden aus tausendjährigem Menschheitssehnen und opferwilliger Pionierarbeit beharrlichen Erfindergeistes." Noch lange nach der Sturmvogel-Flugveranstaltung waren die Rundflüge, Kunstflugvorführungen, das Ballonrammen, der Postsackzielabwurf usw. im Gespräch der Strausberger. Eine weitere Großveranstaltung dieser Art fand ein Jahr später zu Pfingsten statt. Kurzfristig informierte die Strausberger Zeitung am 31. Mai 1933 über die Ankunft des sogenannten Flieger Wanderzirkus in Strausberg. Die Strausberger waren zunächst erst einmal irritiert von diesem Begriff. Sie dachten an Fliegerei unter einem Zirkuszelt. In Wahrheit verbarg sich dahinter ein vom Deutschen Luftverband "Roter Adler" aufgestellte Wandertruppe für die Durchführung von Flugveranstaltungen, um damit zur Förderung des Flugwesens beizutragen. Der Flieger-Wanderzirkus war dementsprechen ausgerüstet. Er besaß einen 2,75 Tonnen-LKW als Hauptwagen mit Radio- und Filmeinrichtung sowie eine Großlautsprecheranlage. Weiterhin gehörten dazu eine Wanderausstellung über den Selbstbau von Segelflugzeugen und Modellen sowie eine Modellbau-Abteilung. Ein zweisitziges Segelflugzeug Typ Grunau 8, ein Hochleistungs-Segelflugzeug Grunau Baby II und ein dreisitziges Motorsport-Flugzeug des Typs Klemm L 25 mit 100 PS Argus-Motor bildeten die Grundlage für die fliegerischen Vorführungen. Hinzu kamen zwei starke PKW für Winden- und Autoschlepp von Segelflugzeugen im offenen Gelände. Auch diese Veranstaltung zu Pfingsten 1933 wurde begeistert angenommen. Ein große Zuschauermenge aus nah und fern war zu den Veranstaltungsorten in der Stadt und zum neuen Flugplatz an der Hohensteiner Chaussee gekommen. Besonders beeindruckt war man von den dargebotenen Kunstflügen mit Segelflugzeugen. Für die Strausberger war es eine absolute Sensation, daß sich auch ein Segelflugzeug in der Luft "wie ein Fisch im Wasser ohne Luftschraubenantrieb tummeln, sogar abwärts stürzen und wieder abfangen kann, als wäre die Anziehungskraft der Erde aufgehoben, und genau dort wieder zu landen, wo es gestartet war". So wurde auch diese Flugveranstaltung des "Roten Adler" e.V. ein äußerst beeindruckendes und instruktives Erlebnis. Im Jahre 1934 verband man einen Renntag auf der Strausberger Pferderennbahn (Heute Gelände des Sport- und Erholungsparkes in der Landhausstraße) für eine Flugschau. So erschien bereits während des ersten Rennens ein Motorflugzeug mit einem Segelflugzeug im Schlepptau über der Rennbahn. Nach einigen Runden klinkte sich das Segelflugzeug, eine Fliege 3, aus und landete im Oval der Rennbahn. Zuschauerattraktion Nummer eins waren wiederum die nachfolgenden Kunstflugvorführungen mit drei Fieseler-Maschinen. Star an diesem 26. August 1934 war der Pilot und Kunstflieger "Bobbi" Weichelt, der mit Rollen und Rückenfliegen die hohe Schule des Fliegens zeigte. Dieser Flugtag, organisiert von der Strausberger Fliegerortsgruppe, war zugleich auch der letzte seiner Art in der Vorkriegszeit. Einer der Hauptgründe war ohne Zweifel die Tatsache, daß viele der Flugakteure die Luftwaffe als Alternative ihrer Flugbegeisterung wählten. So wurde zum Beispiel der noch ein Jahr zuvor begeistert gefeierte Kunstflugpilot "Bobbi" Weichelt 1935 Oberleutnant derLuftwaffe, Gruppenfluglehrer und Staffelführer auf der Flugzeugführerschule Schönwalde bei Berlin. Die Kunstflugvorführungen in Strausberg standen ab 1936 unter der Regie der Luftwaffe, die in jenem Jahr den Fliegerhorst im Norden der Stadt einweihte und alljährlich am 1. März den "Tag der Luftwaffe" mit Flugvorführungen und Ausstellungen von Fluggeräten im Strausberger Lustgarten bis zum Jahr 1944 beging. Seitdem gab es bis zum ersten Flugplatzfest im Jahre 1992 keine keine öffentlichen Flugvorführungen mehr. Erst die Konversion hat es möglich gemacht, diese Tradition fortzusetzen. Foto 1: Beitrag in der Strausberger Zeitung vom 12. September 1932 unter dem Titel "Sturmvogel-Flugtag zu Strausberg"(Archiv Heimatmuseum) Foto 2: Ausstellung von Schul- und Sportflugzeugen im Strausberger Lustgarten im März 1942 anläßlich des "Tages der Luftwaffe" Im hinteren Sitz der Klemm Kl 35 Otto Zimmermann. (Foto Otto Zimmermann)
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